MOMENT

Abgeschminkt | Folge 5

Episode Summary

Im großen Finale erfahren wir, wie Sabrinas Kampf für einen Betriebsrat beim Konzern Douglas ausgeht.

Episode Notes

Fast zwei Jahre nachdem Sabrina die ersten Betriebsratspläne geschmiedet hat, fällt die Entscheidung. Wird Sabrina es schaffen oder gewinnt der millionenschwere Konzern Douglas? Das erfährst du in der vorerst letzten Folge von "Abgeschminkt".

An diesem Podcast haben viele Menschen mitgeholfen und mitgearbeitet. Ein großes Danke an Juliane Nagiller, Tom Schaffer, Caroline Plank-Bachselten, Lukas Rapf, Bettina Mühleder, Perigan Eraslan, Lisa-Marie Idowu, Eda Öztürk, Jakob Tschachler, Katharina Egg, Sebastian Panny.

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Musik: Ghost Beatz/Soundstripe

Episode Transcription

Sabrina: Die ganze Sache hat mich auch persönlich ein bisschen mitgenommen, mein Privatleben hat das auch beeinflusst. Ziemlich eigentlich. Und da hast du auch gemerkt, wer wirklich die Leute sind, die hinter dir stehen und das durchziehen. Und wer dann leider Gottes die Leute waren, die dich im Stich gelassen haben. 

Mein Name ist Lisa Wölfl und du hörst MOMENT, den Geschichtenpodcast des Moment Magazin. In unserer ersten Staffel begleite ich Sabrina bei ihrem Arbeitskampf für einen Betriebsrat. Das hier ist die fünfte und vorerst letzte Folge. Wenn du die anderen noch nicht kennst, solltest du sie zuerst hören. Denn in dieser Folge erfährst du endlich, wie alles ausgeht.

Österreich ist im dritten Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Es ist Ende Jänner 2021, das Weihnachtsgeschäft für Douglas war gut. Da bekommt Sabrina gesteckt, dass vier Filialen in Wien und eine in Villach zugemacht werden. Und die Douglas-MitarbeiterInnen stehen immer noch ohne Betriebsrat da.

Sabrina: Das Arge ist, auch in Villach macht eine zu und die in Villach die Mitarbeiter werden nicht übernommen. Die in Wien werden derweil übernommen, aber die werden wohl auch einsparen, wieder meine Vorhersage. Und die Schließungen sollen auch bis 2022 durchgeführt werden, also ich glaube nicht, dass das die letzten sind.

Das ist der Moment, an dem die MitarbeiterInnen von Douglas einen Betriebsrat am meisten brauchen würden. Aber noch immer gibt es keinen. Dabei sind seit Sabrinas Kündigung mehr als anderthalb Jahre vergangen.

Ich frage bei Douglas nach. Tatsächlich schließt der Parfümeriekonzern fünf der 45 Filialen in Österreich. Damit kommt Österreich fast gut noch davon. Insgesamt machen in ganz Europa rund 500 Douglas-Filialen zu. Tausende Menschen verlieren ihren Job. Alleine in Deutschland müssen rund 600 Mitarbeiter/innen gehen.

Die deutschen Douglas-Mitarbeiter/innen haben aber einen entscheidenden Vorteil: Dort gibt es seit Jahren einen Betriebsrat. Und der verhandelt jetzt Sozialpläne für jene Leute, die ihre Jobs verlieren. Und was wird aus den österreichischen Mitarbeiter/innen?

Den von den Filialschließungen betroffenen MitarbeiterInnen wird soweit es möglich ist der Wechsel in eine andere Douglas-Filiale angeboten. Voraussichtlich werden bis auf einige wenige (im einstelligen Bereich) alle Betroffenen in eine andere Filiale wechseln. MitarbeiterInnen, die nicht in eine andere Douglas-Filiale wechseln können, erhalten natürlich alle ihnen zustehende Zahlungen.

Eine Abfindung, einen Sozialplan, wird es für sie nicht geben, bestätigt der Douglas-Sprecher.

Und Sabrina? Die ist immer noch in ein Gerichtsverfahren mit Douglas verwickelt. Ihre Berufung liegt beim Oberlandesgericht. Die Monate vergehen langsam.

Im Mai, fast zwei Jahre nachdem Sabrina ihre Betriebsratspläne geschmiedet hat, passiert es. Ich erfahre vom Douglas-Pressesprecher, dass Sabrinas Berufung abgelehnt wurde.

Lisa: Ich wollte mir dir reden, ich glaube, es gibt Neuigkeiten. Der Pressesprecher von Douglas hat mich angerufen und hat mir gesagt, dass deine Berufung abgelehnt wurde.

Sabrina: Ah, Überraschung, ja, wundert mich eh nicht.

Lisa: Wusstest du das noch nicht?

Sabrina: Nein. Also ich habe es gerade erfahren von dir.

Ist es jetzt einfach vorbei?

Ich schätze mal. Alles gut. Ich hab mich schon mental darauf eingestellt gehabt, also.

Sabrina hört sich niedergeschlagen an. So kenne ich sie gar nicht. Aber nur ein paar Stunden später ruft sie mich nochmal an und sagt: Sie will an den Obersten Gerichtshof gehen.

Dieser beschäftigt sich in der dritten Instanz mit Fällen, wenn eine "erhebliche Rechtsfrage" zu beantworten ist. Und Sabrinas Anwältin glaubt, das ist hier der Fall. Die Frage ist nämlich: 

In welchem Stadium der Betriebsratsgründung sind die Mitarbeiter/innen geschützt? Reicht es nicht, dass Sabrina ihre Kolleg/innen angeworben hat?

Denn:

Sabrina: das wäre voll fatal für Leute, die dann in der Zukunft einen Betriebsrat gründen wollen. Hey, die hat alles richtig gemacht, sie hat sich an das Gesetz gehalten, sie hat und das und das gemacht, aber es hat trotzdem nicht geklappt.

Einen Monat lang höre ich nichts von ihr. Dann ruft mich Sabrina an und erzählt, dass die Gewerkschaft, die sie vor Gericht vertritt, das Urteil zur Kenntnis genommen hat. Und eben keine Berufung einlegt.

Das Verfahren ist vorbei. Sabrina hat verloren. Endgültig. Das muss sie erstmal sacken lassen.

Ein paar Wochen nach der niederschmetternden Nachricht treffe ich Sabrina.

Sabrina: Sie haben mir gesagt, es wird ein langwieriger Prozess und ich habe mich mental darauf vorbereitet.

Wir sind mit dem Glauben reingegangen, wenn wir bis zum Schluss kämpfen wollen, dass die GPA hinter uns steht. 

Und da braucht es eine starke Gewerkschaft und deswegen ist das Vertrauen zur Gewerkschaft auf ein bisschen angebröckelt.

Sabrina ist enttäuscht darüber, wie es am Ende mit der Gewerkschaft gelaufen ist. Sie war überrascht davon, dass sie das Urteil akzeptiert haben, anstatt bis zum Obersten Gericht zu ziehen. Die Kommunikation ist all gemein ein Problem, sagt sie. Sabrina hätte sich gewünscht, in alle Entscheidungen zum Fall Douglas besser miteinbezogen zu werden.

Sabrina: Auch den Kontakt zu den Mitarbeitern von Douglas suchen. Ja, die sind verängstigt, aber wer kann es ihnen übelnehmen, jetzt mal ganz ehrlich. Es waren auch Leute dabei, die mich enttäuscht haben, ich sag das jetzt ganz offen.

Da hätte man öfter als Gewerkschaft reingehen sollen, mit denen Kontakt, ich weiß, dass es schwierig ist, weil ich weiß ganz genau, wie die Douglas-Mitarbeiterinnen reagieren, wenn jemand von der Gewerkschaft kommt. Aber ich habe oft als Feedback bekommen, zB in einer Filiale sind 70 Leute. Versuch mal, alle zu erreichen an einem Tag, das funktioniert ja nicht. Da musst du öfter hingehen.

Am Ende gab es Missverständnisse, schlechte Kommunikation und nach dem langen Kampf sind alle erschöpft. Trotz allem: Sabrina ist froh, dass sie den Weg mit der GPA gegangen ist.

Denn alleine, ohne Gewerkschaft im Rücken, hätte Sabrina wohl noch weniger Chancen gegen den riesigen Konzern Douglas gehabt. Der hat sich jetzt aus der Affäre gezogen. Für Douglas gibt es keine Konsequenzen.

Ich hätte gerne mit den Führungskräften bei Douglas gesprochen. Sie gefragt, wieso es ihnen so wichtig ist, dass Sabrina auf keinen Fall wieder bei ihnen arbeitet. Ob das alles nur eine Taktik ist, um einen Betriebsrat zu verhindern. Aber sogar der Sprecher von Douglas lehnt es ab, für den Podcast mit mir zu sprechen. Ich kann meine Fragen nur schriftlich stellen.

Ich frage ihn, ob Douglas Österreich immer noch glaubt, dass Sabrina jemanden gemobbt hat. Auch, wenn das vor Gericht niemand bezeugt hat. Die Antwort:

Pressesprecher Douglas: Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass im Fall von Frau E. eine Wiedereinstellung aufgrund der schwerwiegenden Verfehlungen in der Vergangenheit nicht im Sinne der anderen Douglas-Kolleginnen und Kollegen sein kann.

Das ist praktisch keine Antwort. Die schwerwiegenden Verfehlungen, die muss ich mir selbst zusammenreimen. Und um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung, was Douglas damit meinen könnte.

Ich frage, wieso Douglas glaubt, dass es bisher in Österreich noch keinen Betriebsrat gibt und ob die Errichtung eines Betriebsrats wünschenswert wäre.

Douglas schätzt und pflegt seit jeher den engen Kontakt und den offenen, kontinuierlichen und konstruktiven Dialog mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie deren Vertretern. Allen Mitarbeitern steht es natürlich auch frei, sich in Betriebsräten zu organisieren, wenn vor Ort die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind.

Wieder keine konkrete Antwort. Ich frage, wie Douglas die Demo der Gewerkschaft empfunden hat. Keine Antwort. Erst hieß es, Douglas könne zu einem laufenden Verfahren keine Statements abgeben. Aber das Verfahren läuft gar nicht mehr. Jetzt heißt es: Für Douglas ist das abgeschlossen. Keine weiteren Statements.

Ich finde das schade. Douglas hatte die Chance, seine Gedanken und Gründe hier für uns offenzulegen. Der Konzern wich den Fragen aus, blieb vage oder stumm.  Warum soll eine gute Verkäuferin wie Sabrina nie wieder  bei Douglas arbeiten können? Warum kann man nicht einmal die eigenen Mobbing-Vorwürfe  belegen? Woher kommen die? Waren sie nur ein Vorwand, nur eine unschöne Taktik? Dachte man, man kommt damit durch, weil Sabrina sich schon nicht wehren wird? Und hat Douglas Sabrina zur Abschreckung für andere so hart behandelt? Hat Douglas ein Problem mit einem Betriebsrat? Das weiß ich heute immer noch nicht. 

Wie fühlt sich Sabrina jetzt, wo Douglas endgültig gewonnen hat - und immer noch keine Antworten liefert?

Sabrina: Nicht gut. Also gut fühlt sich das sicher nicht an. Aber man muss die Niederlage eingestehen. Die Leute sind aber so weit, dass sie wissen. Jeder weiß, dass wenn Douglas für einen BR wäre, dann würde heute einer stehen. Das haben die Leute, die den Artikel gelesen haben mit meiner Niederlage, haben das auch verstanden. Ich will nicht dargestellt werden als Mobberin, was da eklige Sachen vor Gericht gesagt wurden.

Sabrina hat alles gegeben. Sie hat ihre Zeit geopfert, ihr Gesicht, ihre Nerven. Und vor Gericht ist die Sache endgültig erledigt. Aber das heißt nicht, dass es nicht noch einen anderen Weg gibt.

Sabrina: Was die GPA jetzt halt machen will, ist, dass sie das wirklich von der Politik ansetzt. Dass sie sagt, von der Wurzel wollen wir im Arbeitsrecht etwas verändern.

Chef der GPA-Wien Mario Ferrari bestätigt das.

Mario Ferrari: Wir arbeiten daran, wir arbeiten daran. Es ist schwierig, es ist ein Rückschlag, wir werden das jetzt so akzeptieren. Aber hören nicht auf, hier tätig zu sein.

Hier geht es darum, einen Betriebsrat zu gründen und nicht eine Atombombe zu zünden.

Denn der Sieg von Douglas, die Niederlage von Sabrina, die ist im Gesetz festgeschrieben. Hier liegt das Grundproblem. Nur weil sie sehr offensichtlich vorhatte einen Betriebsrat zu gründen und dafür ihre Kolleg/innen anspricht, ist sie eben noch immer nicht vor einer Kündigung geschützt. 

Mario Ferrari: Das Spannende am Urteil ist, dass das Gericht sogar festgestellt hat, dass die Geschäftsführerin davon wusste, dass die Kollegin bei Douglas einen BR gründen will. Das ist eine Tatsache. Trotz dieser Feststellung wird gesagt, es reicht trotzdem nicht aus, um ein Motiv darin zu erkennen und das ist das schmerzhafte.

Das gesamte System hat Sabrina enttäuscht. Angefangen mit ihrem Arbeitgeber Douglas, der sie mitten in ihrem Bemühen um einen Betriebsrat gekündigt hat. Die Gerichte, die Douglas Recht geben, trotz aller Ungereimtheiten. Und schließlich das Arbeitsrecht, das Unternehmen erlaubt, Betriebsratspläne im Keim zu ersticken.

Mario Ferrari: Unsere Forderungen liegen am Tisch, die Politik kennt diese Forderungen, diese Gespräche müssen jetzt rasch stattfinden.

Die Forderungen liegen jetzt auf dem Tisch, sagt Mario Ferrari. Zuständig ist in der Regierung der Arbeitsminister Martin Kocher. Wird er eine Gesetzesänderung anstoßen? Aus Kochers Büro bekomme ich ein Statement:

Einschüchterungsversuche oder sonstige Erschwernisse sind tunlichst zu unterlassen. Sich für Rechte von KollegInnen im Betrieb einzusetzen, darf nicht zum Verlust des Arbeitsplatzes oder anderen Benachteiligungen führen. Daher greifen die Schutzbestimmungen des Gesetzes von Arbeitnehmer/innen, die ernsthaft einen Betriebsrat gründen wollen, schon sehr früh ein und werden als ausreichend angesehen.

Keine Reform also, keine Gesetzesänderung. Das heißt: Menschen wie Sabrina können sich auch noch so sehr um einen Betriebsrat bemühen. Sie können alles richtig machen, sich an alle Gesetze halten. Und trotzdem gekündigt werden. Völlig legal. Und genau so soll es auch bleiben. 

Ich treffe Sabrina wieder in der Donaustadt, dort, wo sie auch wohnt. Die Sonne scheint, der Wind ist ganz schön stark, wir gehen trotz allem in die Hundezone. Sabrinas Hund Chico ist wieder dabei.

Sabrina erzählt zum ersten Mal, wie sich das Verfahren, der lange Kampf, auf ihr Privatleben ausgewirkt hat.

Sabrina: die ganze Sache hat mich auch persönlich ein bisschen mitgenommen, mein Privatleben hat das auch beeinflusst. Ziemlich eigentlich. Und da hast du auch gemerkt, wer wirklich die Leute sind, die hinter dir stehen und das durchziehen. Und wer dann leider Gottes die Leute waren, die dich im Stich gelassen haben.  Auch meine Beziehung hat total darunter gelitten.

Ich erinnere mich daran, dass Sabrina bei unserem allerersten Interview im Sommer 2019 noch von ihrem Freund gesprochen hat. Danach aber nie wieder. Der Grund: Drei Wochen vor ihrer ersten Verhandlung vor Gericht gegen Douglas haben sie die Beziehung beendet. Jetzt, wo ich das weiß, kommt mir Sabrina noch stärker vor.

Sabrina: Du hast gesehen, wie nervenaufreibend das sein kann und dann fängt alles von neuem an. Du denkst du dir so, oh shit, weiß nicht, ob ich jetzt fluchen darf. Es nimmt einen mit psychisch und ich glaube dass dann solche Sachen im privaten Leben nicht so förderlich sind. Aber dennoch lieber hab ich Freunde, die ich an einer Hand abzählen kann und die für mich da sind als hundert Leute, die hinter mir stehen und dann, wenn es hart auf hart kommt, weg sind.

Ich habe in der Zeit mit Sabrina viel über den Einzelhandel gelernt. In der Branche arbeiten mit einer überwältigenden Mehrheit Frauen und überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund. Wer im Einzelhandel arbeitet, ist häufig befristet, geringfügig oder Teilzeit beschäftigt. Gemeinsam mit dem niedrigen Stundenlohn kommt es, dass sie im Durchschnitt netto weniger als 1.300 Euro im Monat verdienen.

Sabrina: Die ganzen Fachleute fehlen und dadurch ist man leichter ersetzbar. Das gibt den Firmen natürlich viel mehr Spielraum. Das ist wenn, du dich auflehnst und sagst: Ich will mehr Gehalt haben, ich will über den KV ein bisschen was raushaben, sagen die meisten Firmen, passt, schleich dich. Oder was auch viele machen, die stellen Studenten ein und egal ob Mann oder Frau, die können nicht über die Geringfügigkeitsgrenze. Also das ist das Problem. Einfach weniger Fachberatungen, du bist ersetzbar, du bist eine Nummer.

Die Parfümiere-Branche ist noch einmal speziell, wie ich finde. Die Mitarbeiter/innen dort werden schlecht bezahlt, gleichzeitig hantieren sie mit extrem teuren Produkten. Ich hab immer schon beim Betreten einer Parfümerie Angst, dass ich unabsichtlich ganze Regale von Parfum-Flakons herunterreiße und den Schaden nicht bezahlen kann. Aber für Sabrina war es ganz normal, Produkte für hunderte Euro zu verkaufen - und am Ende des Dienstes selbst nur wenig Geld gemacht zu haben.

Sabrina: Dass ich mich als Samstagskraft mit der perfekten Pflege ausgekannt habe und eine 600 Euro Creme verkaufen konnte und

Lisa: Meinst du das ernst?

Es gab auch eine 1.100 Euro - Creme, aber da hatte ich sogar Probleme. Aber 600 Euro (lacht), da hast du auch das Klientel gesehen -

Was ist in dieser Creme?

Kaviar (lacht)

Nein, wirklich?

Es gab die White Caviar und die von Givenchy, die nicht so teuer ist, also 300 Euro, die hatte schwarze Algen drinnen. Natürlich musstest du Kundschaft haben, die bereit sind, so viel zu zahlen. Aber die gab es.

Das musst du dir auf der Zunge zergehen lassen. Mitarbeiter/innen im Handel verkaufen teilweise Cremes, die hunderte Euros kosten. Gleichzeitig geben 70 Prozent der Kassakräfte und Regalbetreuer/innen der Branche an, von ihrem Gehalt kaum leben zu können. Bei den Angestellten mit Migrationshintergrund sind es sogar noch mehr. In der Beauty-Branche gab es zumindest manchmal teure Geschenke für die Angestellten, erzählt Sabrina.

Sabrina: Ich habe sogar eine 400 Euro Augencreme gehabt, die meine Augenringe hätte verschwinden lassen sollen.

Lisa: Hat extrem gut funktioniert, ich seh gar nichts (lacht)

Nur dass Ihr es wisst, es war purer Sarkasmus gerade, weil ich schau aus wie ein Panda (lacht) 400 Euro und das hätte ich nie mit gutem Gewissen verkaufen können.

Teure Cremes sind natürlich nur ein schwacher Trost, wenn die Arbeitsbedingungen nicht passen. In dem ganzen Hin und Her zwischen Sabrina und Douglas, den Streitereien um Details und die gegenseitigen Anschuldigungen ist es leicht zu vergessen, wieso Sabrina überhaupt mit dem Betriebsrat angefangen hat. Ihre Forderungen waren eigentlich ziemlich einfach. Sabrina wollte, dass alle ihre Pause einhalten können. Mehr Personal, damit man im Krankenstand kein schlechtes Gewissen eingeredet bekommt. Dass die Mitarbeiter/innen wie Menschen behandelt werden, nicht wie Nummern, die man einfach austauschen kann.

Sabrina: Also ein bisschen am Rechtssystem gezweifelt hab ich. Ja, dass das Arbeitsrecht sich ein bisschen verbessern sollte und konkrete Gesetze und den Leuten nicht so einen Interpretationsspielraum geben sollte, den Richtern. Das auf jeden Fall nicht und dass man die Arbeitnehmer früher schützen sollte also erst wenn die Versammlung ist und es zur Wahl kommt.

Und jetzt ist es wirklich vorbei. Endgültig vorbei. Der Betriebsrat ist gescheitert, Sabrina muss jetzt loslassen. Ich frage sie, was sie dir noch mitgeben möchte:

Sabrina: was ich gelernt habe, ist auf jeden Fall, dass, egal und dabei bleibe ich auch, egal wie hart ein Kampf ist, du musst ihn durchziehen. Weil ich mir einfach denke, wenn du etwas ändern willst, dann mach es selber, warte nicht, dass es irgendwelche Vertreter von Parlamenten oder weiß ich was für dich erledigen. 

Aber ich denke schon, dass mich das inspiriert hat, mein Jus-Studium wieder ein bisschen ernster zu nehmen und mich da wieder ranzuhängen, weil spätestens in den 30ern will ich schon wirklich als Juristin auch arbeiten und mein Ziel ist es allgemein jetzt eher in die Politik zu gehen und gleich von da etwas zu ändern.  Mein Ziel wäre es jetzt, Arbeitsministerin zu werden.

Das war die letzte Folge von "Abgeschminkt", einem Podcast des "Moment Magazin". Aber keine Sorge, ich bleibe natürlich mit Sabrina in Kontakt. Wenn sich etwas tut, gebe ich dir Bescheid. Behalte den Podcast einfach auf deiner liebsten Plattform im Abo. Dann bekommst du weitere Entwicklungen mit - und vielleicht auch neue Staffeln des Podcasts.

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei allen Menschen bedanken, die dabei geholfen haben, diesen Podcast zu machen: Juliane Nagiller, Tom Schaffer, Caroline Plank-Bachselten, Lukas Rapf, Bettina Mühleder, Perigan Eraslan, Lisa-Marie Idowu, Eda Öztürk, Jakob Tschachler, Katharina Egg, Sebastian Panny,

Vor allem ein großes Danke an Sabrina, die mir erlaubt hat, sie zu begleiten - auch in den schwierigen Momenten.

Und an das Momentum Institut, das mir ermöglicht hat, unzählige Stunden mit Sabrinas Fall zu verbringen und ihre unglaublich wichtige Geschichte zu erzählen.

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Und am Ende noch ein Hörtipp von mir: Beatrice Frasl interviewt in ihrem feministischen Podcast "Große Töchter" tolle Menschen wie Journalistin Melisa Erkurt oder MOMENT-Kolumnistin und Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl.