MOMENT

Abgeschminkt | Folge 3

Episode Summary

Auf einen großen Sieg folgt eine noch größere Niederlage. Sind Sabrinas Betriebsratspläne noch zu retten?

Episode Notes

Sabrina findet heraus, dass Douglas mit harten Bandagen kämpft. Doch sie hat eine ganze Menschenmenge hinter sich. Auf einen großen Sieg folgt eine noch größere Niederlage und Sabrinas Kampf um einen Betriebsrat geht in die nächste Runde.

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Musik: Ghost Beatz/Soundstripe

Episode Transcription

Sabrina: Wir waren jetzt in meiner alten Filiale, wo ich gekündigt wurde. Es war komisch, es war sehr unbehaglich, weil irgendwie haben die mich behandelt wie eine Fremde 01:39 , aber sie wussten ganz genau, wer ich bin.

Jingle

Mein Name ist Lisa Wölfl und du hörst MOMENT, den Geschichtenpodcast des Moment Magazins. In der letzten Folge haben wir Sabrina ans Gericht begleitet. Das hier ist Folge 3. Heute haben wir gute Nachrichten und sehr, sehr schlechte Nachrichten.

Jingle Ende

Es gibt einen ganz bestimmten Moment, in dem Sabrina klar wird, dass sie das Ding echt gewinnen kann. Sie sitzt im Gerichtssaal neben ihrer Anwältin, gegenüber sitzen die Leute von Douglas. Sabrina muss vor Gericht beweisen, dass ihre Vorgesetzten wussten, dass sie einen Betriebsrat gründen wollte - und sie auch deswegen gekündigt wurde. Und dann kommt echt heraus: Zwei Vorgesetzte wussten von Sabrinas Plänen.

Hammer

Reicht das, um die Richterin zu überzeugen? Keine Ahnung. Das Urteil fällt nämlich nicht am Ende der Verhandlung. Sabrina muss sich darauf gefasst machen, monatelang auf die Entscheidung zu warten. In der Zeit hängt sie ziemlich in der Luft. Die Verhandlung findet im Winter 2019 statt. Dann kommt Weihnachten, Neujahr. Immer noch nichts. Und im Frühling kommt die Pandemie. Endlich bekomme ich eine Nachricht von Sabrina.

Sabrina: Es gibt Nachrichten. Ich hab leider deine Nummer nicht mehr, weil mein Handy ist kaputtgegangen, aber ruf mich einfach an, sobald zu kannst. Liebe Grüße!

Und diese Nachricht kann nur eines bedeuten: Das Urteil ist da. Bekommt Sabrina Recht und ihren Job bei Douglas wieder zurück? Oder gewinnt der Konzern vor Gericht? Ich muss Sabrina sofort anrufen.

Also das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, aber ich denke, dass nach fast einem Jahr, also man muss bedenken, ich hab letztes Jahr im Juni begonnen mit den Vorbereitungen, (das ist jetzt seit einem Jahr, wo ich hier hingekommen bin,) das hat sich schon gelohnt, da hat die Gerechtigkeit schon irgendwo gesiegt.

Die Gerechtigkeit hat gesiegt!  Sabrina gewinnt vor Gericht. Die Richterin urteilt: Sabrinas Kündigung ist nicht wirksam. Ihre beiden KollegInnen haben aber nicht Recht bekommen. Bei ihnen gab es gute Gründe für eine Kündigung.

Sabrina: wir hatten eine sehr toughe Richterin, was auch gut war. Es war auch der Job einer Richterin, da nachzuhaken, damit sie sich wirklich ein Bild machen kann. 

Sabrina hat sich fair behandelt gefühlt, sagt sie am Telefon. Nur der Anwalt von Douglas, der wollte sie schlecht dastehen lassen, findet sie. Als Mobberin.

Spätestens jetzt sollte ein für alle Mal klar sein: Sabrina hat niemanden gemobbt. Und Sabrina hat tatsächlich versucht, einen Betriebsrat auf die Beine zu stellen. Hier ein Auszug aus dem Urteil:

Richterin: Aus den Feststellungen ergibt sich nun, dass lediglich bei der Erstklägerin - das ist Sabrina - ausschlaggebendes Motiv für die Kündigung ihr Engagement zur Gründung eines Betriebsrats gewesen ist. In diesem Zusammenhang hatte sie bereits Kontakt mit der Gewerkschaft aufgenommen und hat auch begonnen, andere Arbeitnehmer dafür anzuwerben.

Unglaubwürdig befand die Richterin, dass mehrere Vorgesetzte von Sabrinas Plänen wussten, das aber nicht der Geschäftsführerin gesagt haben sollen.

Richterin: Es ist völlig lebensfremd, insbesondere unter Berücksichtigung dessen, dass sie sich in der Position der Bereichsleiterin mit der "unruhigen Situation" in der Filiale völlig überfordert sah und Bestrebungen zur Gründung eines Betriebsrats unzweifelhaft für die Geschäftsführung eines österreichweit tätigen Unternehmens mit mehreren 100 Mitarbeitern eine außergewöhnliche und wichtige Information ist, dass sie das für sich behalten hätte.

Das Gesetz muss in Sabrinas Fall weit interpretiert werden. Die Betriebsratswahl, die Sabrina geschützt hätte, war noch nicht in absehbarer Zeit geplant. Trotzdem entschied die Richterin zu Sabrinas Gunsten, denn sonst:

Richterin: (...) wären einem Unternehmer Tür und Tor geöffnet, durch die Vornahme von Kündigungen Bestrebungen zur Einrichtung eines Betriebsrates im Keim zu ersticken. Die Kündigung der Erstklägerin ist daher rechtsunwirksam zu erklären.

Das ist nicht nur eine gute Nachricht für Sabrina alleine, sondern auch für andere ArbeitnehmerInnen, die sich um einen Betriebsrat bemühen. Das Urteil gibt Hoffnung, dass sie nicht befürchten müssen, während der Vorbereitungen ohne weiteres gekündigt werden zu können.

Das Urteil heißt: Es ist so, als wäre Sabrina nie gekündigt worden. Sie ist wieder Mitarbeiterin bei Douglas und bekommt sogar das Gehalt nachgezahlt. Und wie geht es jetzt weiter? 

Der Gerichtsprozess ist erst in erster Instanz  entschieden, also praktisch in der ersten Runde. Kampf Ding Ding Geräusch Sabrina und Douglas können aber auch Berufung einlegen. Dann muss das Urteil von der zweiten Instanz geprüft werden. In diesem Fall ist die zweite Instanz das Oberlandesgericht in Wien. Sabrina will das Urteil annehmen, eh klar. Sie hat ja auch gewonnen. Douglas sieht das anders.

Pressesprecher Douglas: Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass eine Wiedereinstellung aufgrund der schwerwiegenden Verfehlungen in der Vergangenheit nicht im Sinne der anderen Douglas-Kolleginnen und Kollegen sein kann und überdies eine Motivwidrigkeit gar nicht vorlag bzw. vorliegen konnte. Deshalb werden wir auch dagegen Berufung einlegen.

Die Geschichte ist also noch lange nicht vorbei. Trotzdem feiert Sabrina den Erfolg erst mal. Sie ist davon überzeugt, dass sie jetzt, wo die Kündigung aufgehoben wurde, endlich den Betriebsrat aufbauen kann. Und vielleicht kann sie sogar nach diesem anstrengenden halben Jahr endlich mal durchatmen. 

Und für ein paar Wochen geht das gut. Aber dann fällt alles auseinander. Shattering Sound

Sabrina: Also es war an einem Freitag, so um 16, 17 Uhr, bekomme ich plötzlich eine E-Mail, dass Douglas mich aufgrund meiner rufschädigenden Aussagen in den Medien entlassen würde.

Wie bitte? Gerade hat sie ihren Job zurückbekommen und schon wird sie fristlos entlassen? Ich kann es kaum glauben. Kann Douglas das ganz einfach machen? Altmodisches Telefongeräusch vielleicht Ich frage bei Arbeitsrechtsprofessor Martin Gruber-Risak nach. Ich möchte wissen, was jetzt bei der Entlassung anders ist als bei der Kündigung vor einem Jahr.

 

Martin Gruber-Risak: Es gibt zwei wichtige Arten der einseitigen Beendigung eines Arbeitsverhältnisses vonseiten der Arbeitgeberin. Das eine ist die Kündigung, das andere ist die Entlassung. Die Kündigung, wir würden sagen, ist die ordentliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Für die Kündigung brauche ich keinen Grund, ich muss nur die Fristen und Termine einhalten, die im KV, im Arbeitsvertrag und im Gesetz vorgesehen sind.

Bei der Entlassung, man nennt sie auch die fristlose Entlassung, muss ich keine Fristen und Termine einhalten, aber ich brauche einen wichtigen Grund. 

Martin Gruber-Risak: Ein Grund ist dann ein wichtiger Grund, wenn es dem AG unzumutbar ist, das Arbeitsverhältnis sogar nur für die Kündigungsfrist weiterhin fortzusetzen und das sind Vertragspflichtverletzungen, die müssen aber gröblich sein, das heißt, eine Pflichtverletzung, wo man sagt, ich muss das sofort, von heute auf morgen mit dir beenden.

Das sind also die zwei wichtigen Unterschiede: Bei der Entlassung ist Sabrina von heute auf morgen ihren Job los und Douglas muss einen wichtigen Grund dafür haben. Wie macht Sabrina jetzt weiter?

Sabrina: Ich hab dann gleich den Mario - den Chef der Wiener Gewerkschaft GPA - angerufen und hab ihm das gesagt und nicht einmal 24 Stunden danach, war das schon überall in den Medien, dass ich entlassen wurde, trotz gewonnenem Urteil. Mein erster Instinkt war, das anzufechten.

Das bedeutet, dass Sabrina jetzt in zwei Verfahren verwickelt ist. Der erste Prozess zur Kündigung geht jetzt wegen der Berufung von Douglas in die zweite Instanz. Und die zweite Klage zur Entlassung fängt in der ersten Instanz an.

Douglas verteidigt die Entlassung in einem Schreiben ans Gericht. Denn Sabrina hätte unwahre Behauptungen über das Unternehmen verbreitet. Nämlich, dass es fragwürdige Kündigungen gebe, Brandschutz-Gesetze missachtet würden und sich das Personal an niemanden wenden konnte.

Anwalt Douglas: Die Entlassung ist gerechtfertigt erfolgt. 

Schreibt der Anwalt von Douglas.

Mit diesen allesamt unwahren und massiv der öffentlichen Reputation der beklagten Partei schädigenden Behauptungen verursachte die Klägerin einen tiefgreifenden Vertrauensverlust bei der beklagten Partei.

Diese laut Douglas geschäftsschädigenden Aussagen stehen übrigens im eigenen Medium der Gewerkschaft "Kompetenz Online". Und ein bisschen unangenehm für mich: Auch mein Artikel im MOMENT Magazin wird von Douglas zitiert. Nämlich die Stelle, bei der Sabrina sagt, sie habe nicht vor, ewig im Handel zu bleiben. Immerhin studiert sie ja Jus. Dass ihr daraus ein Strick gedreht werden könnte, damit habe ich nicht gerechnet.

Eine fristlose Entlassung, jetzt, wo die Aufmerksamkeit der Medien ohnehin groß ist - eine riskante Entscheidung von Douglas.

Sabrina: Der Grund, den sie genommen haben, war ja absolut lächerlich, dass ich in Interviews irgendwie schlecht über sie geredet hab. Alles, was ich geredet hab, war mit Juristen besprochen, mit Medienleuten besprochen, also, ich hab wirklich aufgepasst, was ich sage und ich wurde auch gebrieft und alles.

Jetzt also doch aufgeben? Sabrina wollte unbedingt ihren Job zurück, damit sie den Betriebsrat angehen kann. Aber Douglas gibt ihr ganz klar zu verstehen: Bei uns bist du nicht mehr willkommen. Ans Aufgeben denkt Sabrina aber gar nicht erst. Sie bleibt stur, sie bleibt konsequent, sie bleibt dran. So einfach wird Douglas Sabrina nicht los.

Musik

Es ist einer der heißesten Tage des Jahres. Vor der größten Douglas Filiale Österreichs im 1. Bezirk sammelt sich eine Menschenmenge. Das Geschäft ist offen, einkaufen will hier aber niemand. Die Gewerkschaft hat eine Kundgebung organisiert. Sie demonstriert vor Douglas gegen Sabrinas Entlassung. Die Demonstrant/innen haben Schildern dabei. Da stehen Sachen wie: "Douglas, die Entlassung könnt ihr euch abschminken" oder "Wer hat Angst vor dieser Frau" und daneben ein Foto von Sabrina.

Und dann geht es los.

Demo-Sprecherin: Schön, dass ihr alle da seid, auch wenn es sehr heißt ist, aber im Grunde passt das auch zu unserem Gemüt. Wir sind super haß, weil schon wieder ein Betrieb die Arbeitnehmerrechte mit Füßen tritt und diesmal ist das Unternehmen Douglas (BUH)

Gleich kommt der Gewerkschafter Mario Ferrari auf die Bühne.

Mario Ferrari: Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich meine Parfüms einkaufen soll, aber ich hab so eine Ahnung, wo ich es nicht mehr tun werde.

Viele Menschen in der Menge tragen rote Westen und den Mund-Nasen-Schutz mit dem Logo der Gewerkschaft. Ich bin unheimlich schlecht im Schätzen, aber ich glaube, es sind um die 100 Leute hier. Gar nicht schlecht für einen heißen Sommertag in der Corona-Krise. Und dann holt Mario Ferrari endlich die Frau auf die Bühne, auf die alle hier warten: Sabrina

Mario Ferrari: Das ist dein Applaus Sabrina. Liebe Sabrina, danke für deinen Mut, danke für deinen Einsatz, gemeinsam schaffen wir das. Für Demokratie in der Parfümerie! 

 Sabrina: Also ich möchte mich mal so, so bedanken bei euch für das zahlreiche Kommen, für die Solidarität, für die netten Nachrichten Instagram, Facebook, egal wo. Es war eine harte Zeit, heute auf den Tag genau bin ich zur GPA gegangen, hab alles mal in meiner Macht Stehende getan, um einen Betriebsrat zu gründen. Jedoch wurden mir Steine in den Weg gelegt und es hört leider auch nicht auf, aber ich lass mich davon nicht unterkriegen (Applaus)

Die Kundgebung ist nur ein paar Meter vom Eingang der Douglas-Filiale entfernt. Mit der Führungsebene hat es sich Sabrina jetzt endgültig verscherzt, so viel ist klar. Trotzdem, die Kundgebung ist ein Erfolg.  

Außerdem kommt gleich eine gute Nachricht: Sabrina bekommt einen 15-Stunden-Job bei der Gewerkschaft GPA. Von der Gewerkschaft aus soll sie von außen die Mitarbeiter/innen von Douglas anleiten, einen Betriebsrat zu gründen.

Ich treffe Sabrina und eine Gewerkschafterin auf der Mariahilfer Straße. Wir gehen gemeinsam in Douglas-Filialen, die beiden verteilen Visitenkarten für die Gewerkschaft, ich laufe ihnen hinterher.

Manche nehmen bereitwillig die Karte, eine Douglas-Mitarbeiterin sagt aber auch: Das brauche ich nicht. Die Stimmung ist teilweise angespannt. 

Sabrina: Wir waren jetzt in meiner alten Filiale, wo ich gekündigt wurde. Es war komisch, es war sehr unbehaglich, weil irgendwie haben die mich behandelt wie eine Fremde 01:39 , aber sie wussten ganz genau, wer ich bin. Logisch. Dennoch waren  sie sehr freundlich alle, aber dennoch sehr distanziert, würde ich doch sagen.

Das war gerade echt unangenehm. In der großen Filiale auf der Mariahilfer Straße hat Sabrina früher gearbeitet. Hier arbeitet die Filialleiterin, die Sabrina angeblich gemobbt haben soll - was keine einzige Person bestätigt hat. Hier hängt die schlechte Stimmung in der Luft. 

Sabrina: ein paar sind sogar böse auf mich, weil ich das mache, weil sie glauben, dass ich gegen das Unternehmen oder gegen die (alte) Filialleitung schieße, aber (wie schon gesagt), ein Betriebsrat ist für jeden gut, auch für den Arbeitgeber. Sollte es eine Hilfe sein. ( Ich meine, wie schon gesagt,) wenn man in seinem Betrieb nichts zu verbergen hat oder so, dann hat man auch keine Angst vor einem Betriebsrat, so sage ich immer

Zumindest mir leuchtet das ein. Aber ob ich mich bei einem Betriebsrat engagieren würde, wenn meine Kollegin, die einen Betriebsrat gründen wollte, gerade entlassen wurde? Wenn ich von dem Job abhängig wäre, würde ich mir das ganz genau überlegen. Nach allem, was Douglas im letzten Jahr gemacht hat, überrascht es mich jedenfalls nicht, dass die Suche nach Kandidat/innen nur langsam vorangeht.

Sabrina: Abgesehen von mir brauchen wir noch 8 weitere Leute und es fehlen noch, ich würde mal sagen, grob 2 Leute. Aber sie haben trotzdem Angst, das kannst du den Mädels so nicht vermitteln, weil sie haben gesehen, OK Sabrina hat jetzt gewonnen, aber Douglas hat mich trotzdem entlassen. Also irgendwie ist da natürlich die Angst, die Einschüchterung sehr hoch.

Aber Sabrina hat noch ein paar alte Verbündete, die für sie die Fühler ausstrecken. Auch wenn sie nur samstags bei Douglas gearbeitet hat, hat sie doch einen guten Draht in die Filialen.

Sabrina: Also es ist so, dass ich noch mit zwei, drei Kolleginnen in Verbindung stehe und auch sehr gut befreundet bin und die, nachdem ich gewonnen habe, vor allem die eine Kollegin, ich sage jetzt nicht, von welcher Filiale, die hat auf jeden Fall angefangen, so wie ich, also sie hat praktisch meine Arbeit vom letzten Jahr übernommen, ja, so Leute in ihrer Filiale zu, oder auch in anderen Filialen, anzusprechen irgendwie, wenn sie sie gekannt hat und sie hat  das wirklich super gemacht.

Douglas hat allein in Österreich 45 Filialen und mehr als 400 Mitarbeiter/innen. In ganz Europa sind es sogar unfassbare 2.400 Filialen und rund 20.000 Mitarbeiter/innen. Die Parfümerie Douglas hat im Jahr 2020 ganze 3,2 Milliarden Euro Netto-Umsatz gemacht.

Dass so ein großer Konzern in Douglas ohne Betriebsrat dasteht, ist kein Einzelfall. Dahinter steckt ein größeres Problem. Heute sind viel weniger Menschen Mitglied in einer Gewerkschaft als früher. 1980 waren weit mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer/innen Gewerkschaftsmitglied. Mittlerweile sind es nur noch weniger als ein Drittel. Und je weniger Menschen in Gewerkschaften organisiert sind, desto weniger Macht haben sie.

Auch bei den Betriebsräten sieht die Entwicklung schlecht aus. Hatten 2005 noch fast zwei Drittel aller Betriebe einen Betriebsrat, waren es zehn Jahre später nicht mal die Hälfte aller Betriebe.

Arbeitsrechtsprofessor Martin Gruber-Risak hat eine Idee, wieso gerade im Handel viele Betriebe keinen Betriebsrat haben.

Martin Gruber-Risak: Dort, wo wir atypische Beschäftigungen haben, da finden sich natürlich weniger Personen, die das machen. Weil das BR-Amt ist ein Ehrenamt, das macht man in der Freizeit, dafür kriegt man kein Extrageld, das heißt, sie müssen auch diese Ressourcen und Kapazitäten dafür haben und die Frauen, die normalerweise unbezahlt zu Hause die Sorgearbeit noch dazu machen, ist auch der Grund, warum sie teilzeitbeschäftigt sind, die haben jetzt nicht noch neben ihren 30 Stunden, unendlich viele Kapazitäten, sich dort auch noch interessenspolitisch zu engagieren. Das heißt, wir haben so Branchen, die schlechter organisiert sind, und der Handel, insbesondere große Handelsketten ist zum Teil ein großes Problem.

Mario Ferrari von der Gewerkschaft für Privatangestellte in Wien meint, dass in den letzten Jahren im Handel doch viel weitergegangen ist.

Mario Ferrari: Die Großen haben einen BR. Ich rede jetzt vom Einzelhandel speziell. Da sollte auch den anderen klar werden, dass das nichts Schlechtes ist, sondern auch als Vorteil gesehen werden kann im Betrieb. Ich glaube, dass die Organisierung im Handel, dass Menschen sich zusammenschließen ein Stück weit schwieriger ist als in anderen Bereichen, weil in den meisten Fällen eine große Filialstruktur da ist, auch das Wissen teilweise nicht, was ein Betriebsrat überhaupt ist, wozu dient der und es immer noch den Mythos gibt: Betriebsrat ist gleich gegen die Geschäftsführung, was überhaupt nicht stimmt.

Sabrina ist jedenfalls sehr wichtig für die Gewerkschaft. Sabrina ist jung, bodenständig, man kann sich mit ihr identifizieren, sie bleibt konsequent bei ihrem Standpunkt und sucht die Öffentlichkeit. Damit hat Sabrina die Chance, Menschen zu erreichen und für die Gewerkschaft zu werben. 

Mario Ferrari: Man muss ein mutiger Mensch sein, einer mit Überzeugung und Idealismus und natürlich auch mit einem gewissen Grad an Risikofreudigkeit und man muss wissen, wofür man steht, man muss mit beiden Beinen am Boden stehen, im Leben stehen und sagen: Das ist wichtig und dafür setzte ich mich auch ein und die Sabrina hat das alles mitgebracht und bringt das auch weiter mit.

Sabrina hat die böse Vorahnung, Douglas werde bald Filialen schließen und Mitarbeiter/innen kündigen. Der Konzern leidet mittlerweile wie viele andere unter der Corona-Pandemie. Monatelang müssen die Geschäfte geschlossen bleiben. Das Weihnachtsgeschäft werden sie noch abwarten, vermutet Sabrina. Dort macht der Handel noch einmal richtig viel Kohle.

Umso wichtiger ist der Betriebsrat jetzt, denkt sie. Sabrina packt ihre Sachen und fährt durch ganz Österreich, um auch abseits der Hauptstadt nach Unterstützer/innen zu suchen.

Sie meldet sich von ihrer Österreich-Tour mit einer Sprachnachricht bei mir.

Sabrina: also ich bin jetzt auf Tour und ja, es läuft jetzt nicht so optimal, in Klagenfurt wird es eh potenzielle Kandidaten geben, aber du weißt eh, wie das ist, keiner traut sich so richtig.

Dann wird es sehr schnell sehr ernst. Sabrina muss wieder vor Gericht und bekommt eine Nachricht, die so niederschmetternd ist, dass sie das erste Mal daran denkt, aufzugeben.

Was ist vor Gericht passiert? Und geht doch noch alles gut aus? Das erfährst du in der nächsten Folge von MOMENT. Ein Podcast des "Moment Magazin". Den Podcast findest du auf allen gängigen Plattformen wie Apple Podcasts oder Spotify.

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